der blaue reiter


der blaue reiter, Ausgabe 49
ISBN: 978-3-933722-77-5
Preis: 17,90 € (D), 18,40 € (A)



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der blaue reiter Ausgabe 49

 



Schöne Theorie


Nicht jede Theorie taugt wirklich für die Praxis und nicht alles, was in der Praxis funktioniert, lässt sich theoretisch eindeutig beschreiben. Denn nur ein geringer Teil der Wirklichkeit lässt sich adäquat in Worte fassen. Entsprechend beschäftigt die Frage nach der angemessenen Form der Darstellung philosophischer Theorien die Denker seit Anbeginn der Philosophie. Während Platon seine Gedanken in Form von Rede und Gegenrede darlegte, bevorzugte Aristoteles die systematische Abhandlung, Epikur und Seneca brachten ihre Philosophien in Briefen zum Ausdruck und so unterschiedliche Denker wie Friedrich Nietzsche und Ludwig Wittgenstein bevorzugten die inhaltlich dichte Form des Aphorismus. Philosophischen Ertrag liefert „schöne Theorie“ in Form von „Dichtung“ immer dann, wenn Erkenntnis nicht unmittelbar, sondern nur als „indirekte Mitteilung“ (Sören Kierkegaard) zugänglich gemacht werden kann.

Aus dem Inhalt:
 

thema


Philosophie in literarischer Form – Segen oder Sünde?
Wie und warum sich Philosophen literarischer Mittel bedienen

Die Philosophen haben sich einer Vielzahl von Textformen bedient und auch zahlreiche Ausflüge in die schöne Literatur unternommen: Philosophie kann auch „schöne“ Theorie sein. Was aber kann die Literatur für die Philosophie leisten? Und wie viel schöne Literatur verträgt die Philosophie?
Autor: Robert Zimmer

„Philosophie muss man dichten“
Darstellungen des Unsagbaren

Spätestens seit der Auseinandersetzung Platons mit den Sophisten, die auch die Kunst der überzeugenden Rede vor Gericht lehrten, stehen nicht nur die Argumente der Philosophen im Widerstreit, sondern ebenso die Fragen nach dem Verhältnis von Inhalt und Darstellungsweise sowie die nach den Grenzen des in Schriftform Sagbaren.
Autor: Gottfried Gabriel

„Schönheit ist Freiheit in der Erscheinung“
Friedrich Schiller: Der Denker des Schönen und der Freiheit

Die Moderne war eine ernste Zeit, sie hatte keinen Sinn für die schöne Zwecklosigkeit. Um dem etwas entgegenzusetzen, suchte Friedrich Schiller in der „revolutionären Denkungsart“ Immanuel Kants Antworten auf Fragen danach, was man tut, wenn man dichtet, was es ist, das einen dies als schön, anmutig und erhaben empfinden lässt, und wie das Schöne, wie die Kunst zu einer Hauptsache des Lebens werden kann.
Autor: Rüdiger Safranski

Wovon man nichts wissen kann, davon muss man erzählen
Die Erfindung des philosophischen Romans

Auch wenn es mehr gibt, als sich in Begriffe fassen lässt, muss sich das Denken nicht in literarisches Wunschdenken flüchten. Der philosophische Roman ist das, was frühere Zeiten einen „Bastard“ nannten und man heute vielleicht einen „Hybrid“ nennen könnte: ein Zwischenwesen, geboren aus einer (un)heimlichen Kopulation von Philosophie und schöner Literatur, aufgezogen in der Fremde, und am Ende doch noch zähneknirschend anerkannt.
Autorin: Jutta Heinz

Der Eigensinn der philosophischen Sprache
Viele Wörter, die Philosophen benutzen, kommen in der Umgangssprache nicht vor und sind deswegen für viele Menschen unverständlich. Sie haben ihren oft schwer zugänglichen Eigensinn. Wenn sich das, was Philosophen mit ihnen sagen wollen, auch verständlicher formulieren ließe, wären sie überflüssig.
Autor: Wilhelm Vossenkuhl

„Zarathustra ging vorbei“
Nietzsche und die Rückkehr des Denkens zur Bildlichkeit

Wer das Denken von Friedrich Nietzsche verstehen will, muss sich auf dessen bildhafte Sprache einlassen. Denn der Philosoph spricht in Bildern, weil er eine Erfahrung gemacht hat, an der er den Leser teilhaben lassen will.
Autor: Michael Steinmann

Orte des Denkens
Von Athen bis zum Silicon Valley

Der Blick auf die Geschichte der Philosophie zeigt nicht nur bestimmte Zeiten, an denen das Denken blühte, er zeigt auch bestimmte Orte, an denen das Denken ein intensives Leben entwickelte.
Autor: Lutz von Werder

Der Eigensinn der Kunst
Das „Schöne“ ist wie die Kunst weder eine reine Form der Erkenntnis noch eine der moralischen Beurteilung; Schönheit und Kunst lassen sich weder allein mit der theoretischen noch allein mit der praktischen Vernunft erschöpfend erschließen. Aber welche Rolle spielen Schönheit und Kunst für das Denken? Und was haben Philosophie und Kunst gemein?
Autor: Daniel Martin Feige

Neues Denken für eine neue Welt
Essayistisches Philosophieren bei Ralph Waldo Emerson und Henry David Thoreau

Um ein literarisches Werk zu verreißen, genügte Marcel Reich-Ranicki im Literarischen Quartett oft die Bemerkung, es sei langweilig: Ein Roman, der nicht zu fesseln vermag, ist schlicht kein guter Roman. Doch was für die Literatur gilt, scheint für die Philosophie auf den ersten Blick kein angemessenes Kriterium zu sein.
Autor: Dennis Sölch

Im Angesicht des Roboters
Philosophische Probleme im Kleid der Science-Fiction

Die Science-Fiction ist aus den Medien nicht mehr wegzudenken. Die Fantasiegeschichten aus der nahen und fernen Zukunft haben sich einen festen Platz erobert. Sie bilden dabei oft eine Bühne für die frühzeitige Diskussion philosophischer Probleme, die sich aus der gedanklichen Fortschreibung technischer Entwicklungen ergeben können und sich im Verlauf der Jahre oft tatsächlich ergaben.
Autor: Holger Nielen

Vom Meinen zum Wissen
Sokratisches Fragen im platonischen Dialog

Literatur ist kein ästhetischer Selbstzweck. Dichter bringen mit ihren Texten Gedanken in ihrer vollen Lebendigkeit zu sinnlicher Anschauung. Philosophen hingegen bringen abstrakte Gedanken auf klar kommunizierbare Begriffe. Entsprechend haben literarische Elemente in philosophischen Texten nur didaktische und ästhetische Funktionen. Bei Platons Dialogen ist dies jedoch grundsätzlich anders.
Autor: Arbogast Schmitt

Die Sprache von Bildern in der Philosophie
Hans Blumenbergs Metaphorologie

Gewinnen philosophische Theorien durch eine bildhafte, poetisierende Sprache an Überzeugungskraft? Ist die Einbeziehung von Mythen, Analogien und Metaphern in die Formulierung von Thesen mehr als schmückendes Beiwerk? Und was trägt die „Schönheit“ eines Denkmodells zu dessen Wahrheit bei?
Autorin: Annemarie Pieper

Mehr als nur Staatstheorie
Zur literarischen Dimension der klassischen Utopien

Utopien wie Utopia von Thomas Morus, Brave New World von Aldous Huxley oder 1984 von George Orwell sind nicht nur literarische Schilderungen unauffindbarer Sehnsuchtsorte. Sie sind vielmehr soziale Gedankenexperimente und literarische Frühwarnsysteme, die den Blick für die Defizite zeitgenössischer Gesellschaften schärfen.
Autor: Thomas Schölderle


umfrage
Gibt es eine schöne Theorie?
Kann Philosophie schön sein?

Mit dem Mikrofon unterwegs war Rebecca Wolfs.


kolumne
Schöne Theorie?
Eine Theorie soll nicht nur richtig (logisch kohärent), wahr (mit der Wirklichkeit übereinstimmend) und gut (ethisch einwandfrei), sondern überdies schön sein. Das heißt: Der Philosoph soll gut schreiben, er soll nicht nur Denker, sondern auch Schriftsteller sein. Doch es genügt nicht, gut zu schreiben; um gehört zu werden, bedarf es auch der rechten historischen Stunde, denn grau ist alle Theorie und „grün des Lebens goldner Baum“, wie Johann Wolfgang Goethe weiß.
Autor: Friedrich Dieckmann


lexikon
Experimentelle Philosophie
Autor:
Tom Kobrow

Rhetorik
Autor:
Dietmar Till

Schönschrift
Autorin:
Lisa Gersdorf

sexy
Autorin:
Jutta Heinz


unterhaltung
Bücherrätsel
Autor: Stefan Baur

Haben Sie Probleme philosophischer Art?
Das Dr. B. Reiter Team sorgt für Aufklärung!

Das Dr. B. Reiter Team beantwortet Ihre Fragen auch auf seiner > Facebook-Seite.

Die nackte Theorie
Theoretisch ist der Mensch ein Kracher, in all seiner Güte, aber sobald er anfängt zu atmen, stänkert er rum. Ausdifferenzieren ändert wenig. Es ist, was es ist. Liebe. Oder mehr. Oder weniger. Theorie und Praxis. Oder auf gut österreichisch: „Der Mensch is’ gut, aber die Leut’ san a G’sindel!“ So brachte das Johann Nestroy mal sehr schön auf den Punkt.
Autor: Stefan Reusch


porträt
Voraussetzung jeder Moral ist die Gleichheit aller Menschen
Denis Diderot im Porträt

Denis Diderot ist Philosoph, Kunst- und Literaturtheoretiker, zugleich auch Bühnenautor, Romanschriftsteller und Verfasser zahlreicher Erzählungen. Außerdem schreibt er Essays und zahllose Artikel in der berühmten Enzyklopädie, die er maßgeblich mitgestaltet und vorantreibt. Darüber hinaus ist er in hohem Maße an Naturwissenschaften und Medizin interessiert. Als Literat wie als Philosoph ist er überzeugt: „Man soll von mir verlangen, dass ich die Wahrheit suche, aber nicht, dass ich sie finde.“
Autor: Wulf Kellerwessel