Giuseppe Corbino
Einsatzfliegen

Einsatzfliegen

 




DaphA, Deutsches Aphorismenarchiv
April 2023

In der Frage, ob die ‚Einsatzfliegen‘ eine Bereicherung der Aphorismenlandschaft darstellen, ist vorab darauf hinzuweisen, dass sie sich nicht allein von Verwesungsprodukten ernähren. Indem sie nämlich auch Nektar aus Erdbeer-, Brombeer- und Lauchblüten saugen, erbringen sie eine wichtige Bestäubungsleistung. So kommt es vor allem dann zu fruchtbaren Erkenntnissen, wenn mit der mehrfachen Bedeutung von Wörtern gespielt wird. Dies ist z. B. der Fall in „Eine Lüge zu viel lässt / die Wahrheit überlaufen“, wo am Satzende einerseits der sprichwörtliche letzte Tropfen des bis zum Rand gefüllten Fasses, andererseits der Wechsel eines Soldaten, Spions oder Politikers zur gegnerischen Seite anklingt. Des Weiterem vermag Corbino durch Überraschungseffekte zum Nachdenken anzuregen, bedeutet doch Frieden nach seiner Auffassung, „[n]icht weiter als aufeinander zu[zu]gehen“, und Identität, „derselbe [zu sein], / der [man] gestern auch nicht war“. In solchen Glanzstücken schillert der Thorax seiner ‚Einsatzfliegen‘ goldgrün bis blau.
Text: Alexander Eilers, > Rezension im Wortlaut auf www.dapha.de

DaphA, Deutsches Aphorismenarchiv
Mai 2023

Seiner gut 300 Texte umfassenden Sammlung stellt Corbino einen Satz des französischen Schriftstellers und Diaristen Jules Renard voran. Der Aufforderung zur Kürze („Unbedingt auf lange Sätze verzichten, die man eher erahnt, als dass man sie liest“) kommt Corbino allerdings weitaus konsequenter nach als Renard selbst … Auch wenn das Wortspielerische nicht zu kurz kommt, überzeugt das Buch vor allem durch die Fülle von philosophischen und zeitkritischen Gedanken. … So geht es in keinem geringen Teil der Aphorismen um die Auswirkungen der modernen Lebenswelten auf unser Denken und Fühlen … Positiv hervorzuheben ist, dass Corbino weder moralisiert noch zu polemischen Rundumschlägen ansetzt. Seine Stärke ist die subtile Beobachtung. Gleichwohl haben seine Aphorismen durchaus Biss … eine überaus anregende und gedankenreiche Lektüre. Von dieser Art von Störenfrieden lassen wir uns gerne auch in Zukunft belästigen.
Text: Heimito Nollé, > Rezension im Wortlaut auf www.dapha.de