der blaue reiter


der blaue reiter, Ausgabe 27
ISBN: 978-3-933722-26-3
Preis: 15,90 € (D), 16,40 € (A)



Inhaltsverzeichnis im Journal-Layout
herunterladen

der blaue reiter Ausgabe 27> zurück zur Themenliste

 



Metaphysik

Wirklichkeiten hinter der Wirklichkeit

Wer nach dem Grund der Welt, der Beschaffenheit und dem Sinn der Wirklichkeit fragt, sprich wer in der Philosophie aufs Ganze geht, ist Metaphysiker. Im Gegensatz zu Teildisziplinen der Philosophie wie Ethik, Erkenntnistheorie oder Sprachphilosophie und Naturwissenschaften wie Physik, Chemie oder Biologie, die jeweils nur ausgewählte Bereiche des Seienden zum Thema haben, fragen Metaphysiker nach dem, was die Welt als Ganzes im Innersten zusammenhält. Als Wissenschaft von den ersten Ursachen und Prinzipien sowie der Beschaffenheit des Seienden im Allgemeinen, wie Aristoteles die Metaphysik umreißt, stehen naturgemäß vor allem „Gegenstände“ wie Gott, Geist oder Seele zur Diskussion, die in der Erfahrungswelt nicht direkt gegeben sind.

Aus dem Inhalt:

thema


Eine kurze Geschichte der Metaphysik
Der Begriff Metaphysik dient unter Philosophen immer wieder als Bezeichnung für alles, was Philosophie heute vermeintlich nicht mehr sein darf. Das verwundert, befasst sich Metaphysik doch mit den Grundfragen der Philosophie schlechthin. Mithin ist eine Philosophie ohne Metaphysik eigentlich ein Widerspruch in sich.
Autor: Jörg Disse

Mehr als die Frage „Ein Gott oder kein Gott?“
Zum modernen metaphysischen Denken
Wenn man die Metaphysik weglässt, bleibt von der Philosophie nicht viel übrig. Metaphysische Stellungnahmen sind „fundamentale – nicht weiter hergeleitete, sondern selbst leitende – Stellungnahmen“ aus menschlich begrenzter Perspektive. Und als solche sind sie notwendig ungesichert.
Autor: Uwe Meixner

Krisen des Denkens.
Theodizee – Rettungsversuche eines gescheiterten Sinnsystems
Der Grundgedanke totalitärer Systeme, dass für das Wohl des Ganzen das Leid des Einzelnen in Kauf genommen werden müsse, ist dem Theodizee-Gedanken, sprich dem Versuch, trotz des Leides in der Welt einen allgütigen Gott zu verteidigen, ganz analog.
Autor: Wolfgang Breidert

Marke und Metaphysik.
Die Scheinwirklichkeit der Warenwelt
Auch wenn man nach wie vor Ideen wie Gott, Freiheit und Unsterblichkeit benötigt, um das menschliche Bedürfnis nach Sinn zu befriedigen richtet nicht nur die „Generation Golf“ Ansprüche an Waren, die man vormals an Kunst und Religion adressierte. Den Niedergang der großen metaphysischen Systeme kommentiert Jutta Heinz kurz und bündig mit: „Zewa-Wisch-und-Weg anstelle von ewigen Werten!“
Autorin: Jutta Heinz

Glaubenssache.
Religion innerhalb der Grenzen der bloßen Kulturwissenschaft
Religionen sind Deutungssysteme mit je eigenem Gegenstandsbereich. Deshalb ist es genauso unsinnig, mit der Evolutionstheorie gegen die Bibel zu argumentieren, wie die Bibel gegen die Evolutionstheorie ins Feld zu führen. Beides sind kulturelle Sinnangebote, „man mag das eine nutzen und das andere eben nicht“.
Autor: Franz-Peter Burkard

Die Metaphysik des Schwebens.
Philosophie, Ontologie, Metaphysik – die Geschichte einer Verirrung
Weil der Mensch Fleisch und Geist zugleich ist, muss sich das Subjekt seiner Endlichkeit als leibliches Wesen, als Mensch bewusst werden und seine Existenz „leben“, darf also diese nicht nur reflektieren. Walter Schulz zeigt auf, wie Philosophie, wie Metaphysik in einer durch die Naturwissenschaften und Technik veränderten Welt möglich ist.
Autor: Johannes Czaja

Die Metaphysik des Geldes
Die gegenwärtige Wirtschaftskrise ist keine ökonomische, sondern eine des menschlichen Denkens, genauer: der praktisch gewordenen Metaphysik des Geldes.
Autor: Karl-Heinz Brodbeck

Der Grund der Welt.
Warum die Natur berechenbar ist
Weil das Buch der Natur in der Sprache der Mathematik geschrieben ist, bedarf es keiner Idee des Pferdes, keiner gespenstischen Pferdheit, die sich in den wirklichen Tieren manifestiert. Der Kern dieser Lebewesen steckt in deren Struktur, ohne dass man diese aus den Phänomenen ablösen könnte.
Autor: Bernulf Kanitscheider

Kein Gott, keine Welt, kein Ich.
Die Freiheit des Sisyphos
Der Glaube an eine Realität, eine „wirkliche Welt“ ist viel stärker und grundlegender als jener an Gott. Nicht umsonst lautet Slavoj Zizek zufolge die Formel des wahren Atheismus nicht „Gott existiert nicht“, sondern „Die Welt existiert nicht“.
Autor: Frank Augustin

Im Rücken der Wirklichkeit.
Träume: Wirklichkeiten an der Schwelle des Bewusstseins
Die moderne Wirklichkeit ist ein Kulturprodukt. Träume sind kein sinnloser „Leerlauf“ des Gehirns, Traumdeutung ist Therapie der in den Labyrinthen des Bewusstseins verfangenen Seele. Und: Steckt im Fantastischen unserer Einbildungskraft eine Anti-Vernunft?
Autorin: Petra Gehring

Viel Lärm um Nichts.
Im Dschungel der Erklärungsversuche des Unerklärlichen
Warum es überhaupt etwas gibt und nicht vielmehr nichts, ist die schwierigste aller Fragen. Manche Philosophen halten sie für mystisch, andere schlagen äußerst seltsame Hypothesen vor. In jedem Fall gilt: Erklärungen sollen Phänomene nicht auf etwas noch Unverständlicheres, wie Gott, zurückführen.
Autor: Rüdiger Vaas

Virtuelle Wirklichkeiten.
Cyberphilosophie und andere Gespenstergeschichten
Ohne menschlichen Körper gibt es keine menschenähnliche Intelligenz. Die reale Welt ist für die virtuelle unverzichtbar. Verheißungen auf Unsterblichkeit durch Intelligenzübertragung in das World Wide Web sind Scharlatanerie – wir können uns noch nicht einmal vorstellen, wie es ist, eine Fledermaus zu sein.
Autor: Stefan Baur


umfrage
Gibt es mehrere Wirklichkeiten?
Sind Sie der Mittelpunkt der Wirklichkeit? An was erkennt man die Wirklichkeit?

Mit dem Mikrofon unterwegs hinter Gittern war Heinz Hannak.


kolumne
„Worte des Wahns“
Soll man Schiller einen antimetaphysischen Metaphysiker nennen? Den „Worten des Glaubens“ folgen im Abstand von zwei Jahren „Die Worte des Wahns“, nicht als eine Widerlegung, sondern als Warnung vor ungedeckten Wechseln.
Autor: Friedrich Dieckmann


essay
Sehnsucht nach dem verlorenen Ganzen.
Das Sinnversprechen der Kunst
Enthüllt sich der Sinn des Ganzen nur noch in der Literatur, wie Georg Lukács schreibt? Der Sinn, der durch die Struktur der Romanwelt aufscheint, ist Lukács zufolge nicht gegeben, sondern nur aufgegeben: „Er ist kein Besitz, sondern Aufgabe!“
Autor: Georg Mein


lexikon
Gespenst
Autor:
Moritz Baßler

Gottesbeweise
Autor: Roman Göbel

Sphärenharmonie
Autor: Rainer Bayreuther

Zufall
Autor: Otto E. Rössler


unterhaltung
Bücherrätsel
Autor: Stefan Baur

Haben Sie Probleme philosophischer Art? Dr. B. Reiter sorgt für Aufklärung!
Autor: Dr. B. Reiter

Über das Rauchen
Autor: Martin Heidegger

Is' mir zu hoch!
Autor: Stefan Reusch


portrait
Aristoteles. Glück ist das schlechthin höchste Ziel
Aristoteles will die Natur nicht beherrschen, sondern erkennen. Logik und Dichtung sind Formen menschlicher Rationalität, und Wahrheit ist das angemessene Zur-Erscheinung-Bringen des Seienden und seiner Gründe.
Autor: Otfried Höffe


reihe
Geschichte der Naturwissenschaften und Technik:
Der Welle-Teilchen-Dualismus. Quantenphysik und Wirklichkeitsverständnis
Was lehrt die Quantentheorie über die subatomare Welt? Das ist noch achtzig Jahre nach der berühmten Debatte von Niels Bohr und Albert Einstein umstritten.
Autorin: Brigitte Falkenburg