der blaue reiter


Oben: Klaus Maria Brandauer
(Foto: Daniel Biskup, mit freundlicher
Genehmigung der novapool GmbH)
Mitte: Slavoj Zizek
Unten: Maxim Biller

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„Ich, das sind wir alle!“


Klaus Maria Brandauer
wurde 1943 als Sohn eines deutschen Beamten und dessen österreichischer Frau in Bad Aussee/Österrreich als Klaus Georg Steng geboren. Später nahm er den Mädchennamen seiner Mutter, Maria Brandauer, an. Nach dem Abitur studierte Brandauer zwei Semester lang an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Stuttgart. Nach dem abgebrochenen Studium debütierte er 1963 am Landestheater in Tübingen als Claudio in Shakespeares Maß für Maß. Weitere Stationen seiner Theaterlaufbahn waren das Landestheater in Salzburg (ab 1964), das Schauspielhaus in Düsseldorf (ab 1966) und ab 1968 Wien. Am Theater in der Josefstadt spielte er 1970 in Fritz Kortners letzter Inszenierung, Lessings Emilia Galotti, die Rolle des Prinzen Hettore Gonzaga. Seit 1972 gehört Brandauer dem Ensemble des Wiener Burgtheaters an.
Der internationale Durchbruch erfolgte mit seiner Rolle des Hendrik Höfgen in der István-Szabó-Verfilmung des Klaus-Mann-Romans Mephisto, der als bester ausländischer Film des Jahres 1982 mit einem Oscar ausgezeichnet wurde. Es folgten zahlreiche Rollen in Filmen wie Oberst RedlHanussenJenseits von Afrika und dem James-Bond-Streifen Sag niemals nie. Sein Filmregiedebüt hatte Brandauer mit dem Film Georg Elser, in dem er auch die Hauptrolle spielte. Seit 1993 ist Klaus Maria Brandauer Professor für Schauspielkunst am Max-Reinhardt-Seminar in Wien. Er ist Ehrendoktor der Universität Tel Aviv und Ehrenbürger von Altaussee.

 


 

Das Trauma der Subjektivität


Slavoj Zizek
wurde am 21. März 1949 in Ljubljana, Slowenien, geboren. Er ist Dr. phil. der Universität Ljubljana und Dr. für Psychoanalyse der Universität Paris-VIII. Zahlreiche Gastprofessuren, unter anderem an der Universität Paris-VIII, an der Cardozo Law School, New York, an der Columbia University, New York, an der Princeton University, an der New School for Social Research, New York und an der University of Michigan, Ann Arbor.
Er ist Präsident der Society for Theoretical Psychoanalysis in Ljubljana und Herausgeber der Schriftenreihen AnalectaWo es war und SIC.
In den 80er Jahren war er politisch tätig in der alternativen Bewegung in Slowenien und Präsidentschaftskandidat bei den ersten freien Wahlen. 1991 wurde er Botschafter der Wissenschaften der Republik Slowenien.

 


 

„Ich, sagt ihr immer nur, ich – ich – ich!“


Eine Collage aus Gesprächsnotizen mit Maxim Biller und Zitaten aus seinem Roman Die Tochter.
Der Individualismus ist heute nichts anderes als Uniformität. Es existiert ein Scheinindividualismus, der sich zum Beispiel im Freizeitverhalten äußert. Schauen Sie sich an, wie die Leute sich selbst verwirklichen: Tai-Chi-Kurse, Reisen nach Thailand, Malkurse… Das liegt alles außerhalb des Bereichs, der gesellschaftlich und politisch wichtig ist. Überall dort aber, wo es wirklich um Entscheidungen geht, politische, gesellschaftliche, wirtschaftliche, herrscht ein absoluter Kadavergehorsam, eine absolute Uniformität und Jasagerei – mehr als sicherlich noch vor 20 Jahren. Die angeblich neue Jugend Deutschlands: Einer ist gleicher als der andere. Dabei sind es lauter Narzissten, die glauben, dass sie alle etwas ganz Besonderes, Spezielles und Einzigartiges darstellen.