der blaue reiter


der blaue reiter, Ausgabe 16
ISBN: 978-3-933722-07-2
€ 15,10 (D, unverb. Preisempf.)

der blaue reiter Ausgabe 16> zurück zur Themenliste

 




Aufklärung und Kritik
1/2004

Wer da meint, Sex sei ein für Philosophie nicht sonderlich ergiebiges Thema, wird durch das Journal eines Besseren belehrt. Sämtliche Artikel des Heftes sind lesenswert, so dass es schwer fällt, einzelne Beiträge hervorzuheben …
Insgesamt zeigt sich der blaue reiter mit dieser Ausgabe wieder einmal von seiner besten Seite. Es ist das große Verdienst der Zeitschrift, gezeigt zu haben, dass es auch in Deutschland möglich ist, Philosophie aus den staubigen Gemächern des Elfenbeinturms zu befreien und in die Lebenswirklichkeit zurückzuholen. Kritisch anzumerken ist für das vorliegende Heft allenfalls, dass die neueren Erkenntnisse der naturwissenschaftlichen Forschung (beispielsweise auf dem Feld der Evolutionsbiologie) keine Beachtung fanden, was zu einem problematischen Übergewicht geistes- und sozialwissenschaftlicher Perspektiven geführt hat …

Stuttgarter Zeitung
8.11.2003

Sex im Bett, im Boudoir und in der Philosophie – Die Zeitschrift Der blaue Reiter kommt zur Sache

Philosophie und Sex – das ist eine Kombination, auf die spontan so schnell keiner verfallen würde. Das Idealbild des aufgeklärten Weisen, das uns die abendländische Geistesgeschichte überliefert hat, zeichnet sich vielmehr durch eine rationale Selbstbeherrschung aller Leidenschaften aus. Zwar zeigt uns Platon in seinen Dialogen und im Gastmahl den Philosophen Sokrates als Knabenliebhaber und Gesprächspartner von klugen Hetären, aber seine Liebe zu den Körpern dient ihm lediglich als Medium beim Aufstieg von der unvollkommenen Sinnenwelt in die körperlosen Sphären des Wahren und Guten. Dieser schon recht zahme erotische Enthusiasmus der platonischen Philosophie wich dann in der Schule der Stoiker, die in der römischen Kaiserzeit zur vorherrschenden philosophischen Strömung avancierte, endgültig dem Ideal unerschütterlicher Leidenschaftslosigkeit. Sexualität war fortan ein Gegenstand, der in der Moralphilosophie behandelt wurde, aber kein Lebensbereich mit eigener Würde. Wenn das Stuttgarter Philosophiejournal Der blaue Reiter sein jüngstes Heft dem Thema Sex widmet, versucht es hier also einiges gutzumachen...

Der Stern
3.11.2003

Wer das Thema Sex philosophisch behandelt wissen will, für den ist die aktuelle Ausgabe des Journals Der blaue Reiter genau richtig. Die Autoren des philosophischen Halbjahresheftes widmen sich in gut verständlichen Aufsätzen nicht nur den modernen Theoretikern von Ludwig Feuerbach bis Michel Foucault, sondern auch dem französischen Autor Michel Houellebecq, dessen Romane aus den 1990er Jahren, Ausweitung der Kampfzone und Elementarteilchen, von einigen Kritikern der Pornografie bezichtigt wurden.

Süddeutsche Zeitung
20.9.2003

Der blaue reiter behandelt ein beliebtes Thema. Was ist besser als Sex? Diese Frage empfinde ich als Provokation (Verwaltungsangestellter, 45); Das, was man dafür bekommt (Studentin, 24); Gruppensex (Autor, 53); Das hängt vom Alter ab (Rentner, 76); So etwas können nur Philosophen fragen, die noch nicht mal theoretisch was davon verstehen (Soziologe, 54). Für ihr neues Themenheft Sex waren die Herausgeber des Philosophiejournals der blaue reiter (omega verlag, 15,10 Euro) unterwegs in den Straßen Stuttgarts, und was sie zu hören bekamen, spiegelt in nuce unsere Einstellung zum Thema Nr. 1 wieder: Empörung, Reizmaximierung, gelassene Altersweisheit. Sex heute ist – immer noch – ein Tabu: ist ein Skandal, Ökonomie, Religionsersatz und Tyrannei. Die Umfrage ist der spannendste Beitrag der neuen Ausgabe. Sie wirft viele Fragen auf.
Der interviewte Soziologe irrt. Philosophen verstehen etwas von der Theorie der Sexualität. Die Beiträge behandeln Foucault und seine Histoire de la Sexualité, Marcuses Wiedererotisierung der Welt und Sartres Entdeckung des Begehrens. Die Texte sind von Kennern der Materie verfasst, sind – informativ und verständlich geschrieben.