der blaue reiter


der blaue reiter, Ausgabe 12
ISBN: 978-3-933722-02-7
€ 15,10 (D, unverb. Preisempf.)



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Schön sein


Seit dem 18. Jahrhundert ist die Ästhetik eine eigenständige philosophische Disziplin, die versucht, das Schöne in seinen beiden Erscheinungsformen, dem Naturschönen und dem Kunstschönen, zu fassen. Dabei fragt sie nicht nur nach den Gegenständen der Wahrnehmung, sondern auch nach dem, was wir empfinden. Welche Erfahrungen kann Kunst vermitteln? Was bedeutet die moderne Ästhetisierung des Alltags? Gibt es eine Ästhetik der
Natur? Was ist die Ästhetik des Hässlichen? Welche Verbindungen bestehen zwischen dem Schönen und der Idee des Guten?

Aus dem Inhalt:

thema


Ästhetik außerhalb der Ästhetik

Die Gentechnologie passt alle Sorten von Leben unseren Bedürfnissen an und vermag uns mit der Sorte Kinder zu versorgen, die wir – unseren ästhetischen Erwartungen entsprechend – wünschen.
Wenn es für Kunst im öffentlichen Raum heute noch eine Aufgabe gibt, dann besteht sie darin, die Ästhetisierungsmaschinerie zu stoppen, indem man inmitten des Hyperästhetischen ästhetische Kahlflächen und Wüsten schafft.
Autor: Wolfgang Welsch

Der schöne Körper. Gefangener oder Gefängnis?
Im Vordergrund steht nicht der gelebte Leib, sondern der vorgestellte, der eingebildete, der gedachte Leib, der gefangen ist in Modellen, die der Geist von ihm macht. Unterstellt man Lolo Ferrari eine freie Willensentscheidung, hat sie sich im Brecht‘schen Sinne selbst geliebt, und sei es nur, weil ihre Selbstliebe der Blicke der Anderen (Männer) bedurfte. Im Sinne einer Philosophie der Leiblichkeit hat sie ihr Leben in ein Ideal umgestaltet, dem es schließlich geopfert wurde.
Autorin: Käte Meyer-Drawe

Hardbody – Softbody. Die Schönheit trägt Waffen
Da Schönheit in der Erscheinung wohnt, auftaucht und wieder verschwindet, ist das Kleid, wenn schon nicht die Mode, ihr natürliches Element. So ist es kein Wunder, dass ästhetische Debatten sich immer wieder am Gewand entzünden. Das Verhältnis von Körper und Hülle spiegelt die Beziehung von Seele und Körper, von Geist und Materie.
Autorin: Ingeborg Harms

Erotik als Kunst. Sören Kierkegaards Ästhetik der Verführung
Für das reine Begehren, das nicht warten kann, bis es selbst zum Gegenstand eines Begehrens wird, gibt es in der Tat nur zwei Möglichkeiten: vergewaltigen oder verführen. Don Giovanni verführt durch das Wahrgenommenwerden seiner Sinnlichkeit.
Autor: Konrad Paul Liessmann

Ästhetik und Politik
Die Akropolis ist gebaute Politik – und alle öffentlichen Gebäude seitdem sind politische Architektur.
Autor: Ekkehart Krippendorff

Sinnhorizont Natur. Ansichten einer Naturästhetik
Die ökologische Bewegung im ausgehenden 20. Jahrhundert hat über das Politische hinaus die Aufmerksamkeit auf Bereiche gelenkt, die bislang eher vernachlässigt blieben – auf Naturphilosophie und auf Naturästhetik. Im Mythos vom verlorenen Paradies, vom Garten Eden, wird Natur ästhetisch gerettet, weil sie sich in uns „ereignet“.
Autor: Horst Dieter Rauh

Die Wahrnehmung des Diesda. Eine Annäherung an zwei Spielarten der Wahrnehmung
„Das Schöne ist das“, heißt es bei Kant, „was ohne Begriff allgemein gefällt“, und Mörike schreibt: „Was aber schön ist, selig scheint es in ihm selbst.“ Schön scheint demzufolge zu sein, was sich von sich her aufschließt und in einer spezifischen Weise präsent ist.
Autor: Horst Rumpf

„Das Hässliche ist hässlich nur, soweit es nicht schön ist“
Hässlich ist das, was von einer an einem bestimmten Ideal des Schönen orientierten Kunsttheorie aus der Kunst verbannt werden soll. In der Antike wurde das Schöne stets in Zusammenhang mit dem Guten gedacht, das Hässliche hingegen war mit dem Bösen assoziiert.
Autor: Hartmut Härer

Damit sich etwas tut … Der Pragmatist und das Schöne
Schön ist, womit sich etwas anfangen lässt. Schönheit ist, was sich zwischen Mensch, Werk und Welt tut. Kunst ist keine Kunst, wenn sie dem Alltag nichts ausmalt, nichts vorzeichnet, nichts vorschreibt und vorspielt.
Autor: Udo Grün

Hegels Begriff des Kunstschönen
Die Idee des Schönen findet ihre geschichtlich konkrete Gestalt in dem eigens gestalteten schönen Ding: im Kunstwerk. Das Werk der Kunst stiftet eine kulturelle Gemeinschaft und ein gemeinsames geschichtliches Selbstbewusstsein.
Autorin: Annemarie Gethmann-Siefert


umfrage
Was ist schön?
Mit dem Mikrofon unterwegs waren Ute Friesen, Monika Reutter und Stefan Schüle.


interviews
mit Odo Marquard
Das Schöne unter den Bedingungen der modernen Welt
Die wesentliche Zuwendung zur Wirklichkeit besteht nicht mehr im Denken, sondern in der Sinnlichkeit. In dem Maße, in dem ernste Probleme entstehen, welche die Lebbarkeit der modernen Wirklichkeit in Frage stellen, können sie durch die Kunst in eine Ebene gebracht werden, auf der man sie aushält.

und

mit Udo Walz
Weniger ist mehr!
Schönheit ist eine ganz simple Sache. Jemand, der eine Botschaft hat, stellt viele in den Schatten, die nur äußerlich schön sind.


essay
Das Leben ist schön. Nietzsches amor fati im Kino
Der wahre Künstler ist Lebenskünstler – gerade durch sein entwaffnendes Ja-Sagen und Ja-Tun. Ja sagen zum Naziverbot, es durch eine „Auswahl, Verstärkung, Correctur“ so übersteigern, dass es schließlich als ein begossener Pudel dasteht: Das ist vernichtender als jeder Empörungsausbruch.
Autor: Christoph Türcke


lexikon
Aisthesis
Autor: Jörg Zirfas

Aura
Autor: Christian Schulte


der einspalter
Die Wahrheit über die Lüge
„Für die Lüge haben Philosophen wenig Sinn. Auf Anfrage erzählen sie von einem Kreter, der erklärt: 'Alle Kreter lügen.' Das ist ein hübsches Beispiel für eine Paradoxie, aber nicht für eine Lüge…“
Autor: Udo Grün


unterhaltung
Bücherrätsel
Autor: Stefan Baur

Haben Sie Probleme philosophischer Art? Dr. B. Reiter sorgt für Aufklärung!
Eins ist sicher: Wer nicht zu sterben weiß, versteht auch nichts vom Leben!
Autor: Dr. B. Reiter

Das Filmbild im Zeitalter seiner digitalen Reproduzierbarkeit
Perfektes ist letztlich unmenschlich: Schön ist nur das unvollkommen Vollkommene.
Autor: Peter Kreglinger

Über das Schöne
„Friedrich Schiller (1759–1805) unterschied die architektonische Schönheit, die so genannte Schönheit des Baues, von der Schönheit der Bewegung, der Anmut und Grazie. Beim Mann überwiege die architektonische Schönheit, bei der Frau die Anmut, meinte er. ...“
Autor: Udo Dickenberger


portrait
Georg Lukács – ein politischer Ästhet oder Wie viele Divisionen hat die Philosophie?
Sich nicht forttreiben zu lassen vom Chaos der Empfindungen, sondern die Welt zu betrachten, beharrend auf Distanz und Nüchternheit, ist ästhetische Pflicht. Schön ist, was sich mit den Fluchtlinien des gesellschaftlichen Fortschritts parallel stellt; was quer steht und den Blick aufs Menschheitsziel versperrt, ist hässlich.
Autor: Beat Wyss


reihe Außereuropäische Philosophie
Etappen der islamischen Philosophie
Philosophie und Religion können sehr wohl unterschiedliche Aussagen machen, und trotzdem bleiben sie ein und derselben Wahrheit verpflichtet. Nur die Philosophen sind in der Lage, die Wahrheit zu beweisen. Die Religion hingegen versucht, die Wahrheit in Bildern und Symbolen darzustellen. 
Autor: Ulrich Rudolph


pro & contra Menschenrechte
Menschenrechte zwischen Universalismus und Relativismus
Aus der Tatsache, dass es keine einheitlichen und überall anerkannten Menschenrechts-standards gibt, folgt nicht, dass es diese nicht geben könnte oder geben sollte.
Autor: Jens Hinkmann

Menschenrechte für alle – eine Illusion?
Will man den Menschen einzelner Kulturen gemäß ihrer jeweiligen Tradition wirklich Menschenrechte einräumen, dann ist dem relativistischen gegenüber dem universalistischen Ansatz der Vorzug zu geben.
Autor: Franz M. Wuketits