der blaue reiter


der blaue reiter, Ausgabe 15
ISBN: 978-3-933722-05-8
€ 15,10 (D, unverb. Preisempf.)



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„Ich“


Trotz der Ergebnisse der Gehirnforschung und der Diskussionen um die künstliche Intelligenz ist nach wie vor ungeklärt, welche Voraussetzungen gegeben sein müssen, um von einem Subjekt, einer Person oder einem Ich sprechen zu können. „Cogito ergo sum“ (Ich denke, also bin ich), der Schluss des Descartes, der den Beginn der Philosophie der Subjektivität markiert, lässt die Fragen unbeantwortet, wie ein sich selbst denkendes Ich beschaffen ist, wie es sich begründet, wie es funktioniert und ob es sich dabei nicht nur um ein grammatikalisches Phänomen handelt.

Aus dem Inhalt:

thema


Der Mythos des Objektiven

Der Materialismus versucht das Subjektive zu eliminieren, indem er das Subjekt als etwas von materiellen Objekten Bedingtes nachweist.
Autor: Thomas Zoglauer

Chantals Gesichter. Über die Unerreichbarkeit des Selbst
Die leere oder unbestimmte Mitte des Selbst kann durch keine Artikulation hinreichend erschöpft werden. Das Selbst verfehlt sich ständig.
Autor: Gerhard Gamm

Selbstbewusstsein und Gehirn
Der Ich-Begriff ist nicht allein auf Gehirnaktivitäten reduzierbar. Bisher ist keine Hirnregion bekannt, die immer beim Vollzug dessen, was wir Selbstbewusstsein nennen, aktiv wird.
Autor: Rüdiger Vaas

Das Ich zwischen Weltflucht und Weltbindung
Nur für mich selber bin ich Ich, nur ich kann Ich zu mir sagen. Das Ich ist nichts für sich selber, es ist nichts jenseits der Weltbindung und nichts ohne sie. Der Mensch ist und bleibt ein Fremdling auf dieser Erde – und nach drüben ist die Aussicht ihm durch die unaufhebbare Faktizität des Todes verbaut.
Autor: Klaus Giel

Wir. Bausteine des Ichs
Das Konstrukt des frei und unabhängig von anderen existierenden Einzelmenschen, des Homo clausus, ist zum Idealbild der postmodernen Multioptionsgesellschaft geworden. Doch der Mensch kann und muss auch anders definiert werden: Er ist abhängig von soziokulturellen und psychischen, historisch sich stets unterschiedlich ausformenden Bedingungen. Immer aber bleibt er seinem Erbe und Charakter nach ein Gemeinschaftswesen.
Autor: Laurenz Volkmann

„Ich, sagt ihr immer nur, ich – ich – ich!“
Eine Collage aus Gesprächsnotizen mit Maxim Biller und Zitaten aus seinem Roman Die Tochter.
Autor: Maxim Biller

Die Kontinuität der Person im Recht
Ohne die stillschweigende Voraussetzung der Kontinuität eines Ichs oder Selbst wäre das Recht undenkbar. Allerdings kommt keiner der beiden Begriffe als solcher im Recht vor. Stattdessen ist stets von Personen die Rede. In der politischen Theologie des Mittelalters hingegen wurde die Person des Königs als aus zwei Körpern bestehend gedacht: aus dem öffentlichen, von Gottes Gnade beseelten, unsterblichen Amtskörper und aus dem sterblichen Körper des individuellen Menschen.
Autor: Klaus Günther

Das Ich und der andere in der Philosophie von Lévinas
Das Leben besteht darin, sich das andere anzueignen, auf es aktiv zuzugehen und für die eigenen Bedürfnisse zurechtzumachen. Die vollendete Form der Subjektivität besteht darin, für den anderen zu sterben.
Autor: Wolfgang Nikolaus Krewani

Mit dem Ich auf Du und Du. Die Deutschen Idealisten
Philosophieren heißt, mit „dem Ich“ auf Du und Du stehen. Selbstbewusstsein ist kein theoretisches, sondern ein primär praktisches Verhältnis zu sich.
Autor: Andreas Luckner

Kein Ich, nirgends – schon gar kein weibliches
Das Ich ist etwas, dessen man sich besser entledigen sollte, als es zu kultivieren. Das Ich, mit großem „I“ geschrieben, ist eine Illusion – für Frauen insbesondere auch eine gefährliche.
Autorin: Elisabeth List

Das Ich und sein Double
„Sein Alptraum, mit einem Wort er selbst.“ (Fjodor M. Dostojewski) Der Doppelgänger steht, in ganz unterschiedlichen Facetten, für das Dementi der Einheitsidee wie auch des Glaubens an die Einzigartigkeit. Nimmt man Houellebecqs Roman Elementarteilchen ganz und ausschließlich ernst, dann würde die Zauberformel „Einzigartigkeit trotz Gleichheit“ das Doppelgängerproblem bald obsolet erscheinen lassen.
Autor: Jens Poggenpohl


umfrage
Was würden Sie tun oder sagen, wenn Sie sich plötzlich selbst begegnen würden?
Mit dem Mikrofon unterwegs waren Silvia Lipski und Björn Reich.


kolumne
L’état de moi
Im Ich feiern Schizophrenie und Dialektik eine Party auf allen Stockwerken. Dem freudigen Ich-Über-Ich-Es-Brimborium hat Heidegger vergessen das Kehr-Icht entgegenzustellen.
Autor: Ingo Anhenn


interviews
mit Klaus Maria Brandauer
„Ich, das sind wir alle!“
Wenn ich „ich“ sage, dann beschäftige ich mich ausschließlich mit der Umwelt. Für mich gibt es keine Abgrenzung von etwas. Ich habe mir die Aufgabe gestellt, mich mit dem, was ich über eine Figur lese, was ich von ihr weiß oder erzählt bekomme, zu identifizieren.

und

mitSlavoj Zizek
Das Trauma der Subjektivität
Das Objekt des Begehrens ist das Subjekt selbst. Subjektivität ist mehr als einfach das Prinzip der Autonomie, sie ist etwas viel Radikaleres.
Jeder ist verantwortlich dafür, was er als seine Pflicht definiert.


essay
Mihilismus. Selbstverwirklichungsboheme und Individualisierungsterror
Was mir als Individuum zugemutet wird an Urteilen, Verantwortlichkeiten und Risiken, ohne dass ich dafür hinreichend oder in besonderer Weise ausgerüstet oder qualifiziert wäre – das ist Mihilismus.
Autor: Bazon Brock


lexikon
Eitel, Eitelkeit
Autor: Stefan Gammel

Identität im Mittelalter
Autor: Björn Reich

Solipsismus
Autor: Gottfried Gabriel


unterhaltung
Bücherrätsel
Autor: Stefan Baur

Haben Sie Probleme philosophischer Art? Dr. B. Reiter sorgt für Aufklärung!
Vielleicht schickt aber auch der Gott der deutschen Sprache einen kundigen Engel, der angesichts der Unzahl sprachlicher Geisterfahrer seine Botschaften nicht übermittelt, sondern stattdessen bis auf weiteres seine Aufmerksamkeit geistreicheren Dingen zuwendet als den Reden deutscher Politiker, deutschen Schlagern oder den schriftlichen Selbstbeweihräucherungen universitätsgesponsorter Möchtegernphilosophen – Halleluja.
Autor: Dr. B. Reiter


portrait
Edmund Husserl: „Philosoph aber ist man stets nur als Werdender und als Werden Wollender.“
Eine Philosophie, die um sicheres Wissen bemüht ist, kann sich bei ihrer Begründung nicht auf die Erfahrung von Welt, sondern nur auf die notwendige und zweifellose Sphäre des reinen Ichs und Ichlebens stützen. Das Ich ist identisch mit der Verknüpfungseinheit der mannigfaltigen Erlebnisse.
Autor: Thomas Bach