der blaue reiter


Peter Guth: Doppeltür I, 1996
Farbholzdruck auf Leinwand, 240 x 140 cm

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Eine Besonderheit von Peter Guths Arbeit ist die intensive künstlerische Auseinandersetzung mit der Eigenart ausgewählter Orte. Dies zeigt sich insbesondere dann, wenn sich – wie vielfach im Holzschnitt beziehungsweise im Holzdruck – der Bildträger (Druckstock) als Fundstück erweist, das seine eigene Geschichte und damit auch die des Fundorts transportiert und vom Künstler in einen übergeordneten Kontext gestellt wird. In der steten Verzahnung von Druckgrafik und Skulptur entwickelt sich folgerichtig auch die skulpturale Arbeit aus Gefundenem, aus Relikten, die jeweils Aspekte des Menschseins widerspiegeln.
Skulpturen- und Installationsteile, Objekte jedweder Art, Möbelteile, Stützpfeiler, Fenster, Türen, Baumscheiben und vieles andere werden zugleich zu Druckstöcken, die sich, behandelt oder unbehandelt, in einem neuen Kontext zum gedruckten Bild formen. Zum Beispiel die Tür (1996): Sie ist Tür und Bild von Tür. Sie ist Grenze und Hindernis; sie trennt, sie verbindet, sie schließt ab, grenzt aus; sie öffnet, eröffnet, lädt ein, verbindet, markiert Kommen und Gehen; sie beschreibt schlicht die Polaritäten des Lebens.
Auch Peter Guths Zeichnungen zum Thema Glück für diese Ausgabe des blauen reiters geben in ihrer spröden, aufgerissenen und gerade dadurch bewegten Form die Polaritäten von Glückserfahrung wieder, die sich immer erst mit einem Gegenüber einstellt. Das Glückserleben an sich ist unvorstellbar. Nur in der Beziehung ist Glück erlebbar. Der schwarzen, fließenden Form der Zeichnung wohnt auch die Flüchtigkeit dieser Erlebnisform inne – werdend und vergehend wie das Leben selbst.

Text: Otto Pannewitz