der blaue reiter


der blaue reiter, Ausgabe 6
ISBN: 978-3-9804005-5-8
€ 15,10 (D, unverb. Preisempf.)



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der blaue reiter Ausgabe 6

 



Der Eros des Denkens


Die Frage nach dem Eros des Denkens stellt die Frage nach dem Urgrund der Philosophie. Warum setzt sich der Mensch denkend mit der Umwelt auseinander, und wie ist dieses Denken mit der Sinnlichkeit verbunden? Wie verhalten sich Vernunft, Irrationalität und Phantasie zueinander? Was heißt „Lust am Denken“? Welche Erkenntnisse können aus einem Denken in Bildern gewonnen werden? Was ist emotionale Intelligenz? Gibt es angeborene „Sprachideen“? Zeugt die Sprache das Denken? Liegt der Reiz des Denkens in der Sprache?

Aus dem Inhalt:

thema


„Heroische Leidenschaften“. Denken-Lernen
Der Beweggrund des Denkens ist nicht im Seelischen zu suchen, in den Wünschen und Trieben, sondern in einer Leidenschaft für das Bleibende im Vergänglichen. Die Leistung des Denkens liegt nicht in der Befriedigung von biologischen Bedürfnissen, sondern in der Vergegenständlichung der Wirklichkeit und in der Rückbindung des Denkens an das in ihm erschlossene Objektive. Der Sinn des Denkens liegt nach dieser Auffassung im Fußfassen, in der Einwurzelung in einer kontingenten (zufälligen) Wirklichkeit.
Autor: Klaus Giel

Homo medioideoticus oder Im Seichten kann man doch ertrinken 
Was ist mit unserer Sprache los, die von Freiheit spricht und Konsumzwang meint, die Halbierungen und Senkungen ankündigt und „Vermehrungen und Zunahme“ verwirklicht, die Himmelfahrtskommandos realisiert und sie in „schwierige und verantwortungsvolle Aufgaben“ schönredet? Oder sollten wir korrekter fragen: Was ist mit einer Gesellschaft los, die solch eine Sprache spricht?
Autor: Otto-Peter Obermeier

„Es gibt allerdings Unaussprechliches“. Denken und Schweigen
Die dialektische Kunst besteht in der Gleichzeitigkeit von Reden und Schweigen. Die Kunst der Sprache besteht darin, dass in ihr das, was sich nicht eigens sagen lässt, beredt wird. Schweigend kehrt das Unaussprechliche in den Wendungen der Sprache wieder.
Autor: Johann Kreuzer

Die Wiedergeburt der Metaphysik aus dem Geist der Sprache 
Die Frage ist, was wir eigentlich meinen, wenn wir von einem Seienden sagen, es sei beispielsweise ein Mensch oder ein Baum oder ein Stern. Die Aufgabe der Metaphysik geht über diejenigen der anderen Wissenschaften hinaus auf das Unveränderliche der Wirklichkeit. 
Autor: Martin Bauer

Der Reiz der Rationalität 
Den Reiz der Rationalität künftig darin zu erblicken, Erlebnisse des Zusammenhangs zwischen Menschen zu befördern, das heißt, das gegenseitige menschliche Verstehen, könnte die Reize der besonderen Rationalitäten so steuern, dass das Überleben der Menschheit nicht nur wieder wahrscheinlicher wird, sondern dass sich dieser Prozess auch lustbetont vollzieht.
Autor: Wolfgang Deppert

Von Büchern und Phantasmen 
Nirgendwo treten so sinnfällig Weltzeit und Lebenszeit auseinander wie in der Bibliothek: Bücher leben länger, und Bibliotheken überleben Kriege und Katastrophen. Die moderne bürgerliche Gesellschaft konstituierte sich nicht allein durch die Guillotine, sondern auch dadurch, dass sie die feudalen Bibliotheken zerstörte.
Autor: Martin Holoch

Eros und Metapher 
Der Liebende schaut die Idee des Schönen selbst, allein, abgelöst von der Immanenz der Körper und der Beziehungen der Menschen. Eros ist das Streben nach dem Guten selbst, welches sich außerhalb der menschlichen Sphäre befindet.
Autorin: Marie-Cécile Bertau

Intuition und maschinelles Wissen. Drei erkenntnistheoretische Funktionen der Intuition 
Dass Erkennen auch Denken ist, das wird seit der Antike nie bestritten, aber dass alles Denken auf Anschauung ruht, im Dienst der Anschauung steht und in welcher Weise, das ist ein zentrales Problem, das bei der Interpretation der philosophischen Erkenntnis immer wieder entgleitet.
Autor: Elmar Holenstein

Sprache, Denken, Wirklichkeit 
Sind die Grenzen unserer Sprache die Grenzen unserer Welt? Keine zwei Sprachen sind ähnlich genug, um anzunehmen, sie repräsentierten dieselbe Realität. Dort, wo eine Sprache nicht hinreichen mag, um bestimmte Denkweisen einer anderen Kultur zu erfassen, bleibt noch immer die Möglichkeit, sich diese auf andere Weise anzueignen – indem man mit den Menschen dieser Kultur zusammenlebt.
Autor: Rüdiger Vaas

Die Auto-Erotik des Schreibens. Denken und Schrift bei Derrida
Erkenntnis zu vermitteln und sie vermittelt zu bekommen, ist eine geistige Liebeserfahrung von großer Intensität. Das Denken ist ein „inneres Sprechen“, ein „Dialog der Seele mit sich selbst“. Die Masturbation gleicht der Schrift und wird wie diese als ein gefährliches und äußerliches Supplement erklärt.
Autor: Heinz Kimmerle

Der Sprachsinn 
Eine modulare Auffassung von „Sprachinformation“ als ein von menschlicher Erfahrung abgetrennter Bereich kann die Realität von Sprache und Sinneswahrnehmung nicht wiedergeben. Wie das Auge vom Licht abhängig ist, wenn es sich entwickeln soll, hängt die Tätigkeit und Organisation des Sprachsinns von der sensorischen Interaktion des Erlebens von Sprache ab, ob das nun oral, visuell, kinästhetisch oder taktil geschieht. 
Autor: Peter Lutzker

Jeder kann‘s, aber keinen wundert’s. Zur Sprachbeherrschung – Das Konzept der angeborenen Ideen 
Wie schafft es jedes Kind, das Regelwissen zu erwerben, von dem keiner zu sagen weiß, wie es beschaffen ist? Faktum ist: Wir haben mehr Know-how bezüglich der Grammatik unserer Sprache, als wir aufgrund unserer beschränkten sprachlichen Lernerfahrung haben könnten. Nicht das Einzigartige der einzelnen Sprache steht im Mittelpunkt, sondern das Allgemeingültige der menschlichen Sprachfähigkeit.
Autor: Hubert Haider

Sprache zeugt Denken. Liebe, Sprache und Denken bei Humboldt 
Sinnlichkeit und Verstand sind sublimierte Formen des Weiblichen und des Männlichen, deren Vermählung den Gedanken erzeugt. Die Sprache ist das bildende Organ des Gedanken.
Autor: Jürgen Trabant


umfrage
Was denken Sie über den Denker?
Mit dem Mikrofon unterwegs waren Ute Friesen, Monika Reutter, Markus Lion und Stefan Schüle.


interview
mit Walter Schulz 
Die großen Fragen der Philosophie 
Man muss, um seinen eigenen Standort zu verstehen, ihn mit der Tradition in einen Bezug setzen, nicht im Sinne der Abwertung des Eigenen, sondern zur Verdeutlichung der Unterschiede. Auch wenn wir heute diese Unterscheidung einer oberen und einer unteren Welt nicht mehr vornehmen können, ist das Problem doch nicht erledigt. Alle diese Probleme, Leib-Seele, Ethik und Tod, sind Fragen, die durchaus zu beachten sind. Es hat keinen Zweck, im philosophischen Sinne nur die Postmoderne zu verkünden, wonach alles ästhetisch sei und es ganz egal ist, was die einen oder die anderen denken.


kolumne
Krieg der Sätze
Den Griechen der Antike war ein geeignetes Verhältnis von Arbeit zu Muße in der Lebenspraxis unabdingbare Voraussetzung zum Philosophieren: die Arbeit den Sklaven, die Muße dem Meisterdenker. Das prägt noch das heutige Bild vom Philosophen als dem Müßiggänger, der diese zwanglose Fortbewegung in Gedanken-Gänge umsetzt, die er – eventuell noch beim Laufen – sprachlich von sich gibt…
Autor:
Ingo Anhenn


essay
Die Sinngesellschaft
In der Welt der Warner und Mahner wird die Apokalypse zur Ware – wer sie kauft, erspart sich die Mühe der Differenzierung. Die Katastrophe entlastet. Pessimismus ist Denkfaulheit. 
Autor: Norbert Bolz


lexikon
Idealsprache
Autor:
Geert-Lueke Lueken

Spur 
Autorin
: Claudia Fahrenwald

Telepathie 
Autor
: Eberhard Bauer


unterhaltung
Bücherrätsel
Autor: Stefan Baur

Haben Sie Probleme philosophischer Art? Dr. B. Reiter sorgt für Aufklärung!
Ein Widerlegungsprinzip widerlegen zu wollen ist, logisch gesehen, unlogisch.
Autor: Dr. B. Reiter

Philosophie im Haushalt – Der Tisch
Autor:
Siegfried Reusch, nach einer Idee von Juliane Stiegele

Warum Computer keine Lust haben 
Zur künstlichen Intelligenz fehlt Computern vielleicht nicht gar soviel, es fehlt ihnen aber in jedem Fall die Lust dazu! 
Autor: Wolfgang E. Rosenberg


portrait
Ludwig Wittgenstein:  Der Kampf mit der Sprache
„Die Arbeit an der Philosophie ist … eigentlich mehr die Arbeit an Einem selbst. An der eignen Auffassung. Daran wie man die Dinge sieht“ (VB, S. 472). Diese für Ludwig Wittgenstein charakteristische Bemerkung macht deutlich, daß für ihn Philosophie kein Selbstzweck ist und nicht in einer fertigen Theorie oder Lehre besteht, sondern nur durch ihre Verknüpfung mit dem Leben des einzelnen als eine Tätigkeit ihren Sinn erhält. Wittgenstein deutet damit an, was sich in seiner Biographie spiegelt: die Einheit von Leben und Philosophie.
Autorin: Barbara Schmitz


reihe Außereuropäische Philosophie
Afrika: Philosophen ohne Sprache. Ein Gespräch zwischen Kwasi Wiredu und Kai Kresse
Die Struktur der Sprache gibt je verschiedene Weisen des Sprechens und des Denkens und Argumentierens vor. Diejenigen, die an interkultureller Philosophie interessiert sind, sollten den Wunsch haben, auch in anderen Sprachen zu philosophieren, ganz besonders in Sprachen, die sehr verschieden von der eigenen sind.


diskussion
Die Schattenseiten der Philosophie. Eine Streitschrift
Die „Philosophen sind Gewalttäter, die keine Armee zur Verfügung haben“, schreibt Robert Musil an einer Stelle im „Mann ohne Eigenschaften“ und fährt fort, dass sie sich „deshalb die Welt in der Weise unterwerfen, dass sie sie in ein System sperren“. Wer oder was nicht in das Ordnungsschema oder Orientierungsraster passt, wird nicht beachtet oder marginal abgehandelt.
Autor: Christian Mürner