der blaue reiter


Jürgen Große
Die Philosophen

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Universitas
Nummer 731, Mai 2007

Das handliche, schön gemachte Büchlein hat es in sich: Titel und Umschlag lassen nichts Gutes erahnen – für die Freunde der Weisheit. Selbst ein Philosoph, hat Jürgen Große, bekannt als Philosophiehistoriker, Essayist und glänzender Aphoristiker, seine Zunft ins Visier genommen.
Große lästert mit stilistischer Brillanz über philosophische Ergüsse zu Liebe und Tod, die Anbiederung an Machthaber, die pedantische Ordnungssucht, das „philosophische Versagen vor der Verzweiflung“, die gegenseitige Missgunst, das dunkle Raunen, das Tiefsinn erzeugen oder evozieren soll …
Witz und Selbstironie – das kann man bereits von Sokrates lernen, soweit er noch zwischen den platonischen Instrumentalisierungen hindurchscheint – waren schon immer ein Element der Weisheit … Und der Scharfsinn und Wortwitz des Autors bereitet unbändiges Vergnügen.

Neue Zürcher Zeitung
16. Juni 2007

Philosophen sind ein seltsames Volk. Klug, wie sie sind, zweifeln sie an allem und also auch an der Nützlichkeit ihrer eigenen Existenz. Um so intensiver müssen sie darum bemüht sein, Haltung zu bewahren. ...
Schon die Lektüre der Kapitelüberschriften ist ein intellektuelles Vergnügen. Das Spektrum der Philosophen-Charaktere reicht nämlich von den „Beweislastigen” über die „Denkerdarsteller” und die „Unglücksverräter” bis zu den „Angstbereiten”. Folgt unter der Rubrik „Porträts” ein zweiter Teil, in dem es persönlich wird beziehungsweise würde, wenn der Autor Ross und Reiter nennen würde. Hier werden nicht Grundgesten des Philosophierens, sondern einzelne Köpfe mitsamt den Texten vorgeführt, die Ihnen entsprungen sind. ...
Darüber, ob der böse Blick, den Großes liebenswerte Streitschrift auf die gegenwärtige Philosophie-Szene wirft, in allen Fällen hellsichtig ist, wird man munter streiten können. Fest steht hingegen, dass hier ein freier und stilsicherer Geist die Kunst des Charakterisierens und Porträtierens beherrrscht.