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Nietzsches Bestiarium
Der Mensch – das wahnwitzige Tier

Der Streifzug durch Nietzsches originäres „Bestiarium” führt mitten ins Herz seiner bahnbre-
chenden Philosophie, seiner scharfen Kultur- und Zivilisationskritik, die bis heute nichts an Brisanz eingebüßt hat.
Friedrich Nietzsches (1844–1900) philosophisch-poetischer, dem rein abstrakten, begrifflichen Denken feindlicher Kosmos wird von einer Unzahl von Tieren bevölkert, die dem Menschen als natürlicher Spiegel seiner vermeintlichen Tugenden und Laster dienen. Bemerkenswerterwei-
se knüpft der Dichterphilosoph dabei jedoch nicht nur an die tradierte antike und christliche Tiersymbolik des Abendlandes an, wie sie in den so genannten Bestiarien, den mittelalterli-
chen allegorischen Tierbüchern, übermittelt wurde. Er nimmt vielmehr bewusst provokative Umwertungen vor, kreiert gleichsam seine eigene animalische Ikonografie.
Ausgewählten Aphorismen Nietzsches werden im Bildteil des Bands Portraits berühmter Per-
sönlichkeiten der Geistes- und Zeitgeschichte gegenübergestellt. So zeichnete der Künstler Keuchenius zum Beispiel ein Portrait von Arthur Schopenhauer zum Aphorismus: „Ein Leich-
nam ist für den Wurm ein schöner Gedanke und der Wurm ein schrecklicher für jedes Lebendi-
ge. Würmer träumen sich ihr Himmelreich in einem fetten Körper, Philosophieprofessoren im Zerwühlen Schopenhauerischer Eingeweide, und so lange es Nagethiere giebt, gab es auch einen Nagethierhimmel.“ Einem Portrait Marcel Reich-Ranickis wurde folgender Aphorismus gegenüber gestellt: „Zu Gunsten der Kritiker. – Die Insecten stechen, nicht aus Bosheit, sondern weil sie auch leben wollen: ebenso unsere Kritiker; sie wollen unser Blut, nicht unsern Schmerz.“

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